anna
meine schwester dämpft die zigarette aus. wenn sie spricht, ist ihre stimme manchmal so hoch, dass ich angst kriege, sie werde abheben, sie, diese dünne, zarte frau, werde abheben wie ein heißluftballon, fortgetragen von ihren sätzen, die mich immer halb zurücklassen, immer unsicher, worauf ich achten soll, auf die zwischenräume, die vielen leerstellen zwischen ihren wörtern oder die wörter selbst, hervorgepiepst, denen ich so wenig trauen kann.
jodi will ein foto von den beiden machen.
jodi
that’s awesome
susanne hält ihre hand gegen die kamera.
jodi
come on.
anna
(zu jodi) hör auf. she told you that she hates that.
jodi
t’s a pitty.
anna
why are you so unfriendly all the time. (zu jodi) I’m sorry.
jodi
that’s ok.
susanne
bin ich nicht
anna
bist du
jodi
people don’t seem unfriendly here.
anna
des sans.
jodi
distance?
anna
no I said they are.
susanne
she’s joking.
jodi
I see.
susanne
this is the most beautiful place when you can leave it. believe me.
anna
no. when you come back.
susanne
wennst gehn kannst.
anna
wennst zurück kannst.
jodi
that’s kitsch anyways.
susanne
no, that’s how we feel.
jodi
where’s the difference?
susanne
vielleicht lässt sich als einziges sagen, dass ich mich meiner schwester nur nah fühle, wenn ich von ihr weg kann, in dem augenblick, wo ich in den zug oder ins flugzeug steige, ganz egal, getrennt von ihr. vielleicht ist das aber auch verkehrt. vielleicht lässt sich als einziges sagen, dass ich mich meiner schwester nur nah fühle, wenn ich wieder zu ihr zurück kann, in dem augenblick, wo ich aus dem zug oder dem flugzeug aussteige, wieder zu ihr hin. vielleicht ist das aber auch genau dasselbe.
„Khaled! Sag mir, dass du alles mit mir durchstehen wirst, egal was passiert“. Dabei sah sie ihm in seine nachtdunklen Augen. „Mit dir fühle ich mich wie ein Reichtumsherrscher. Wenn ich dir in die Augen sehe, steigt mir die Luft der Freiheit in den Kopf, am liebsten würde ich dich in meiner Umarmung entführen, mich von deinen Lippen rächen lassen und diese strenge Gesellschaft vergessen.“ Der Zauber seiner Worte machte sie nervös und gleichzeitig an und er war von ihrer Schönheit und Weiblichkeit verwirrt. Sein Instinkt sagte ihm „Zerreiß ihre Kleider und brich alle Hindernisse, fass ihre Brüste an, die gehören dir, lass deine Finger nicht von ihr, spüre ihre Jungfräulichkeit, rieche ihren Duft und fühle dabei ihren Schmerz“. Seine Instinkte waren aber eingesperrt in seinem Innern, umgeben von gesellschaftlichen Mauern; niemals würde er sein männliches Verlangen so erreichen, denn er war seinen Leuten treu und er würde ihr niemals Schande bringen wollen. Es war gefährlich einander in der Öffentlichkeit zu sehen, vor allem für sie. Das alles war ihm bewusst, er wusste auch, welche Strafe sie erwartete, wenn sie erwischt würden. Aber er hatte es verdrängt, sobald er ihr Lächeln sah. Khaled genoss die Augenblicke mit seiner Göttin, Sie hieß Anahita, sie war sehr schön und hatte große naturgeschminkte Augen, klardunkel wie eine Sommernacht. Ihre Lippen waren wunderbar! Sie hatte von Geburt an eine Gaumenspaltung, die operiert worden war; die Narbe an der Oberlippe hatte ihr herzrundes Gesicht verzaubert.
Es wurde dunkel und er starrte noch immer an den Horizont. Die Sonne war längst untergegangen, eine herzkühlende Brise berührte seine Wangen, als ob sie ein Lächeln auf sein Gesicht malen wollte, aber er war in Erinnerungen vertieft, die Bilder von damals ließen ihn nicht in die Gegenwart zurückkehren. Er nahm eine Zigarette aus der Schachtel und zündete sie an. „Khaled! Wie spät haben wir jetzt?“ fragte sie. „Ach, mach keinen Stress, lass uns für eine Weile nicht daran denken“, antwortete er. „Tu nicht, als ob du keine Angst hättest, dass jemand uns sieht.“ Sie versuchte ihn zu ärgern. „Ich fürchte niemanden. Außerdem machen wir ja nichts Schlimmes. Es ist unser Recht, hier zu sitzen, und hör auf, so pessimistisch zu sein, genieße die Natur und die Wärme, bald haben wir Winter.“ Er nahm ihre Hand, lehnte sich an die Bank und schloss die Augen. Er fühlte eine Wärme, die sich seinem Gesicht näherte. Doch plötzlich verwandelte sie sich in eine Hitze aus Hass. Das alles dauerte nicht mal eine Sekunde. Khaled verlor das Gleichgewicht, seine Augen drehten sich närrisch, ihm wurde übel, dem ersten Schlag folgte noch einer und noch einer, endlose kräftige Schläge stießen auf seine Wangen. Er hörte Anahitas Schreie „Lasst ihn, lasst ihn los.“ In seinem verschwommenen Gesichtsfeld sah er fünf Männer, einer rief „Halt die Klappe, Hure! Du kriegst es später“.
Geschrieben am 27.04.10 von kekskerlwiener wortstaetten unterstützen die Berliner battle-Autoren.
10 Wünsche für ein künftiges Autorentheater
Seit Jahren gibt es einen scheinbaren Boom neuer Stücke auf deutschen Bühnen. In immer weniger Tagen immer mehr Uraufführungen zu stemmen, wurde ein Trendsport für Intendanten, nach dem Motto: „Schöner Theater machen heißt schneller produzieren und schneller spielen!“ Die tatsächlichen Aufführungszahlen sind allerdings rückläufig. Meist werden Stücke kein zweites Mal inszeniert. Die Honorare für Stückaufträge, Ur- und Erstauf¬führungen gehen in den Keller. Was aber bedeutet Quantität statt Qualität für die Theaterpaläste? Auch dort sehen viele den Substanzverlust kritisch und suchen nach Auswegen. Wo soll sich unser Theater hinbewegen? Wozu heutige Texte, die schlechter und teurer sind als Shakespeare? Welche Rolle soll der zeitgenössische Autor spielen, wenn nicht die des fünften Rades am Regiekarren? Wie kann unser Autorenrumoren konstruktiv werden? Wo haben sich Wirksamkeit und Notwendigkeit des zeitgenössischen Theaters versteckt?
Wir wünschen uns (weil fordern blöd wäre, schließlich wollen wir uns am kürzeren Strang nicht aufhängen):
1. Keine Uraufführungssucht! Bereits entdeckte Autoren wiederentdecken. Qualitätsgeilheit statt Frischfleischwahn!
2. Angemessene Uraufführungsprämien! Gegen die vom Theater gern kritisierte Ausbeutung des Menschen kann das Theater selbst etwas tun. Dramatiker sind keine Praktikanten. Angemessene Honorare auch für Werkstattinszenierungen und Lesungen o. ä.!
3. Mehr Aufführungen einer Inszenierung statt ex und hopp!
4. Kontinuierliche Zusammenarbeit mit Autoren! Mehr Hausautoren! Autorentheaterevents ohne Altersbeschränkung und mit Folgen, d.h. keine One-Night-Stands mit Schreibern sondern Beziehungspflege.
5. Eine verantwortungsvolle Umsetzung neuer Dramatik. Die Inszenierung durch einen Regieassistenten ist nicht immer die Krönung für einen Text. Eine gute Besetzung dagegen schon.
6. Neue Stücke öfter auf die große Bühne! Durch nachhaltige Arbeit mit den Autoren wird das möglich sein. Mutdoping für Dramaturgen!
7. Mehr Dialog mit dem zeitgenössischen Publikum vor Ort, statt auf die überregionale Presse zu schielen.
8. Die Einführung einer Klassikerabgabe! Für das Spielen tantiemenfreier Klassiker geht ein kleiner Betrag an einen Fonds für zeitgenössische Dramatik.
9. Steuerkarten für zeitgenössische Dramatiker! Erste symbolische Geste: Gespielte Autoren bekommen an allen deutschsprachigen Bühnen ermäßigte Karten.
10. Eine offene Debatte mit allen Theaterschaffenden über die bestehenden Strukturen, über die Zukunft des Theaters und die Frage, ob es nicht auch ohne neue Dramatik geht.
Kontakt:
Rolf Kemnitzer, Andreas Sauter, Katharina Schlender
Wer sich unseren Wünschen anschließen will, den bitten wir zu unterschreiben und diese Erklärung an folgende Adresse zu schicken: battle-autor@gmx.net oder per Post an Andreas Sauter, Dieffenbachstr. 29, 10967 Berlin.
Geschrieben am 19.12.07 von Bernhard StudlarIST VORBEI. SCHADE
Geschrieben am 12.05.07 von Rhea Krcmárovásind komponiert, einstudiert und probiert.
Die Texte sind geschrieben und die Textbilder sind produziert.
Die Bilder sind fertig, sind zum Teil schon in der Galerie.
Der Tanz ist choreographiert.
Das Video ist gefilmt, geschnitten und auf DVD gebrannt.
Es kann losgehen!
Geschrieben am 29.04.07 von Rhea Krcmárovámeines Lebens.
Ich, mit dem Paket mit meinen Textbildern auf dem kurzen Weg vom Reproshop zur Galerie.
Ich, meine Bilder im Arm, in der leeren Galerie.
Es hat sich selten etwas so richtig angefühlt.
Die leere Galerie. Der Raum, der sich in das verwandeln wird, was ich seit Monaten im Kopf habe, woran ich gearbeitet habe, wofür ich Schlaf, Liebesleben und Freundeskreis schwer vernachlässigt habe, was mir so viel Kraft und Inspiration und pure, herrliche Freude gegeben hat.
Mein Planquadrat.
Schönheit zum Quadrat.
Und ich stand in der Galerie, um mich leere Wände, nicht nur eine Leinwand, sondern ein ganzer Raum, ein ganzer Raum für mich und meine Vision.
Ein Raum, den ich mit meinem Text füllen werde, mit meinem Gesang, mit dem Tanz und den Bildern derer, die meine Vision teilen.
Meinem Gedaken.
Der gerade Wirklichkeit wird.
Geschrieben am 29.04.07 von Rhea KrcmárováNach der Vernissage die Ausstellung:
Mittwoch, 3.5.- Freitag, 5.5.
Montag, 8.5.
jeweils 11-17h
Projektraum Sonnensegel
1040 Wien
Preßgasse 28
EINTRITT FREI !!!
Geschrieben am 27.04.07 von Rhea Krcmárová
wie J. findet ihre Waden schön.
Und was meint der Rest der Frauschaft von FC Paulaner Wieden?
Und was liebt im Gegensatz dazu eine Bauchtänzerin an sich?
Die Antworten rücken in greifbare Nähe…
Geschrieben am 27.04.07 von Rhea Krcmárová
wird N.s nächstes Tatoo verfasst sein. Die Botschaft weiss nur sie alleine.
Ausserdem hat sie Katzenaugen. Finden alle.
Unter anderem.


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