Bei den diesjährigen WORTSTATTNÄCHTEN werden gleich vier neue Theaterstücke in szenischen Lesungen präsentiert. Alle Texte entstanden im Laufe des Jahres im Rahmen des Autor*innenprojekts „Drama Lab“ der WIENER WORTSTAETTEN.

10. November 2022, 19.30 Uhr

„Is Måidele“ von Miriam Unterthiner
„Sonntagsnebel“ von Anna Morawetz

11. November 2022, 19.30 Uhr

„no shame in hope“ von Svealena Kutschke
„CELEBRATION (Florida)“ von Felix Krakau

Szenische Einrichtung: Martina Gredler, Manuel Horak, Ursula Leitner, Esther Muschol
Mit: Johanna Orsini, Olivia Purka, Christa Schwertsik, Kurt Schwertsik, Dina Skwirblies u.a.
Dramaturgie: Maike Müller, Bernhard Studlar
Ausstattung: Renato Uz
Produktion: Martina Knoll

Zu den Stücken

„Is Måidele“ – Ein Sprechstück / Ein Stück Sprechen
Auf Basis einer wahren, historischen Begebenheit wird vom Leben einer jungen Frau und deren Emanzipation berichtet. Kunstvoll verwebt die Autorin drei Sprech- bzw. Sprachebenen und macht auf diese Weise die Enge der dörflichen Gesellschaft ebenso wie die Deformation der Frau und ihr Aufbegehren spürbar.

sie liegen lassen
die Vater Sprache
auf der Zunge
liegen lassen
und ausspucken
sie ausspucken
die Vater Sprache und
sich sprechen lassen
sich selbst sprechen lassen

(Zitat aus dem Stück)

„Sonntagsnebel“ versammelt mehrere Generationen um einen Tisch im Herrgottswinkel des Großelternhauses. Es wird viel geredet und noch mehr geschwiegen. Die Erinnerungen sind lückenhaft und vernebelt. Nach der Kriegsvergangenheit der Alten und wie das so war, damals im 2. Weltkrieg fragen die Jungen. Und die Alten schweigen. Meistens. Lieber wird Suppe geschlürft als Auskunft gegeben. Und so schreiben sich die Traumata der Familie fort.

Für den Opa und die Oma wird jährlich eine Messe gelesen und eine Parte in die Zeitung gestellt. Vor einem Jahr von uns gegangen, vor fünf Jahren verschieden, vor zehn Jahren geliebt, vor zwanzig, dreiunddreißig, vielen, vielen Jahren. Nur der Herrgott hängt noch über der Eckbank und schaut auf den Toaster. Wie eh und je.
(Zitat aus dem Stück)

„no shame in hope“

Drei Frauen warten in einem tristen Vorstadt-Imbiss auf den Bus. Im Gespräch mit der Imbissverkäuferin verhandeln sie Themen einer durch die Idee der perfekten Gesellschaft geprägten Gemeinschaft.

Meine Jogginghose kommt mir schon vor wie ein eigener Körper. Ich bin da zwar auch drin, aber irgendwie ist das nebensächlich geworden.
(Zitat aus dem Stück)

„CELEBRATION (Florida)“ erzählt vor dem Hintergrund der gleichnamigen amerikanischen Kleinstadt von der Sehnsucht nach dem guten Leben und den Schwierigkeiten ein solches tatsächlich zu führen. In der nach Plänen von Walt Disney gestalteten Stadt haben es aber nicht nur die Bewohner*innen schwer, auch Mickey und Minnie geraten im Laufe des Stücks in eine Beziehungskrise.

– Kann man Glück planen? Haben wir uns gefragt.
– Wahrscheinlich nicht.
– Aber man kann eine Umgebung schaffen, die es dem Glück leichter macht.
– Das hast du schön gesagt.

(Zitat aus dem Stück)

Zu den Autor*innen

Felix Krakau studierte Theaterregie an der HfMDK Frankfurt am Main und war Gast am Studiengang Szenisches Schreiben an der UdK Berlin. Er arbeitet als Regisseur und Autor. Für seine literarische Arbeit erhielt er zahlreiche Auszeichnungen, zuletzt das Residenzstipendien des Hessischen Literaturrats und der Roger-Willemsen-Stiftung. Zum Saisonauftakt 2022/23 inszenierte er eine eigene Ödipus-Bearbeitung am Düsseldorfer Schauspielhaus.

Svealena Kutschke studierte Kulturwissenschaften und lebt als Autorin in Berlin. Ihr Stück „zu unseren füßen, das gold, aus dem boden verschwunden“ zählte zu den Gewinnertexten der Autor*innentheatertage 2019 und wurde am Deutschen Theater Berlin uraufgeführt. Als Würdigung ihres bisherigen Werkes wurde sie 2022 mit dem Hebbel-Preis ausgezeichnet.

Anna Morawetz studierte Schauspiel am Schubert Konservatorium in Wien und absolvierte den Lehrgang „Szenisches Schreiben“ beim DRAMA FORUM in Graz. Sie war für den Retzhofer Dramapreis nominiert und erhielt das Dramatiker*innenstipendium des BMKOES. 2020 wurde ihr Stück „Der Schnaps erkennt die Traurigkeit“ am Hessischen Landestheater Marburg uraufgeführt.

Miriam Unterthiner studierte Philosophie, Germanistik und Deutschen Philologie an der Universität Wien. Bevor sie zu schreiben begann, war sie als Handballerin tätig und spielte unter anderem für den SSV Brixen. Sie erhielt den Preis der Bozner Autorentage sowie den Kathi Trojer Preis. Am Institut für Sprachkunst der Universität für angewandte Kunst in Wien macht sie zur Zeit ihren Master.

Eine Produktion der WIENER WORTSTAETTEN in Kooperation mit WERK X.